DER MENSCH
eine schnelle Gebrauchsanleitung

 

 

Hardware... auf einen Blick

 

Füße sind hässliche, weniger nützliche Hände. Sie haben drei Haupteigenschaften: Sie sind lang und flach, so dass der Mensch in aufrechter Position das Gleichgewicht halten kann. Sie sind weit entfernt von Augen und Nase des Menschen, so dass es ihnen freisteht, zu stinken und lächerlich zu wirken. Und schließlich sind sie wie Schuhe geformt, so dass sie leicht in diesen zu verbergen sind. Das verhindert für den größten Teil des Tages Gestank und Lächerlichkeit.

Arme erledigen die meisten Aufgaben des Menschen. Sie enden in Händen und werden hauptsächlich zum Essen, Waschen, Zeigen und Bedienen von Werkzeugen verwendet. Weil die Arme der meistbeschäftigte Körperteil des Menschen sind, ist bei ihnen auch die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass sie in ein großes Zahnrad geraten.

Hände befinden sich zwischen Armen und Fingern und werden zumeist als Unterlage zur Aufbewahrung und Weitergabe von Gegenständen wie zum Beispiel Katzen benutzt. Sie sind mit Gelenken an den Armen befestigt und eignen sich gut dazu, Dinge fallen zu lassen. Mit etwas Zeit und Übung können Hände darauf trainiert werden, Gegenstände zu werfen, was im Grunde das gleiche wie Fallenlassen ist, nur zielgerichteter.

Finger sind inzwischen ziemlich weit entwickelt, weil Menschen 90% ihrer Zeit auf das Drücken von Knöpfen verwenden. Früher dienten die Finger nur gröberen Funktionen, für die weniger Geschick notwendig war, wie Schlagen, Quetschen, Schöpfen und Schaufeln.

Auf den Daumen sind die Menschen stolz wie auf keinen anderen Körperteil, weil sie damit die Leertaste der Computertastatur drücken und weil Daumen «opponierbar» sind, im Gegensatz zu den Daumen von Kühen, die nämlich gar keine haben. Kein Mensch benutzt je den Ausdruck «opponierbar», außer wenn es um Daumen geht, und darum sind sie auch so etwas Besonderes.

Beine werden nur zur Fortbewegung genutzt und sind eigentlich bloß wichtig, weil sie die Arme dorthin bringen, wo sie sein sollen. Darum ersetzen die Menschen auch vollkommen funktionsfähige Beine zunehmend durch Motoren, Räder und Fettleibigkeit.

Knie dienen dem Menschen zur Positionsänderung. Wenn sie sich nicht fortbewegen, können Knie zwei Stellungen einnehmen: 180° gestreckt («Liegen«), wobei sie für die aufrechte Haltung des nächsten Tages aufgeladen werden; und 90° gebeugt («Sitzen«), wobei sie auf etwas warten. Menschen verbringen 95% ihrer Zeit in einer dieser beiden Positionen und die restlichen 5% auf dem Weg von einer zur anderen in einem unschönen Metallbehälter.

Genitalien sind die wichtigsten Körperteile, denn hier werden die Entscheidungen getroffen. Die Genitalien gibt es in zwei unterschiedlichen Ausführungen: solche, die mit dem Gehirn zusammenarbeiten, und solche, die das nicht tun. Welche Sorte man besitzt, entscheidet über das Geschlecht.

Zehen sind gequetschte, haarige Fußfinger, welche die Evolution schon fast über Bord geworfen hat. Vor allem der kleine Zeh ist proaktiv nutzlos. Er hat keinerlei hilfreiche Funktion, außer vielleicht, den Kopf zu informieren, wenn er sich an einem Tischbein gestoßen hat. In etwa einer Generation wird er evolutionär verkümmern, und man wird sich so liebevoll an ihn erinnern wie an Hexenjagden und die Pest.

Schultern werden gebraucht, um Taschen aufzuhängen, Telefone ans Ohr zu drücken und Arme daran zu befestigen. Man kann außerdem damit zucken, wodurch Menschen theatralisch zu verstehen geben, dass sie aufgeben.

Pobacken sind zwei eingebaute Sitzkissen. Sie sind zwar auf ewig geteilt, doch sie arbeiten gut zusammen, wahrscheinlich weil sie so viel nebeneinander sitzen. In der Mitte zwischen den Pobacken befindet sich eine Öffnung, die vor allem zur Ausscheidung von Abfällen genutzt wird, jedoch auch ein stinkendes Wort sagen kann, das Menschen «Furz» aussprechen. Das ist wahrscheinlich ihr Lieblingswort, vor allem, wenn der Po es laut sagt.

Achseln sind das meistbeschäftigte Gelenkstück des menschlichen Körpers, weshalb sie zur besseren Schmierung schwitzen müssen. Da sie sich dichter am Gesicht befinden als Füße und Po, ist es ihre Aufgabe, dem Menschen mitzuteilen, wann er sich waschen sollte.

Der Hals ist ein nützliches Scharnier, mit dessen Hilfe der Mensch in fast alle Richtungen blicken kann. Hätte er keinen Hals, könnte der Mensch so etwas wie den Himmel oder einen Hundehaufen gar nicht sehen, ohne vorher hinzufallen. Unkorrigierter Umbruch Brüstehaben keinen allgemeinen und gleichen Zweck. Im Gegenteil, die eine Hälfte der menschlichen

Brüste haben keinen allgemeinen und gleichen Zweck.Im Gegenteil, die eine Hälfte der menschlichen Brüste macht sämtliche Arbeit, während die andere Hälfte überhaupt nichts tut. Das hat zu erwartbaren Problemen bei der gerechten Aufteilung des Planeten geführt, wobei die meisten Menschen übereinstimmen, dass diejenigen, die gar nichts tun, viel mehr als ihren fairen Anteil bekommen.

 
 

Augen werden zum Schauen, Sehen, Beobachten und Anstarren benutzt. Zudem sind sie wichtig, um andere Menschen zu beurteilen und Sachen zu finden. Sie müssen stets feucht gehalten werden, was durch einen Vorgang namens «Blinzeln» gewährleistet wird, den man am besten synchronisiert (mit nur einem Auge zu blinzeln heißt «Zwinkern» und gilt, sofern es in der Öffentlichkeit geschieht, als altmodisch). Augen reagieren empfindlich auf Licht, Traurigkeit und Fingerstechen.

Die Nase testet im Voraus, ob Dinge essbar sind oder nicht. Sie hat zwei Funktionsmodi: Riechen und Atmen. Anders als das Ohr, das Auge oder die Augenbraue hat die Nase kein passendes Pendant und fühlt sich daher oft ganz allein im Gesicht. Es gibt natürlich auch noch den einsamen Mund, aber leider kann die Nase den Mund nicht hören, weil Nasen keine Ohren haben.

Der Mund verbindet das Hirn eines Menschen mit dem eines anderen durch Reden. Er wird auch zum Essen und Atmen benutzt, zwei lebenswichtige Vorgänge, die es einem erlauben weiterzureden, ohne Gewicht zu verlieren oder zu ersticken. Manchmal wohnt der Mund unter einem bürstenartigen Scherzartikel namens «Schnurrbart», der die Erfahrung des Essens um das Element des Kitzelns erweitert.

Die Zunge ist ein kräftiger Muskel, mit dem der Mensch sich Essen aus den Zähnen pult und an Dingen leckt. Zungen sind meist nass, weshalb man mit ihnen gut Feuer löschen kann.

Zähne besitzen Menschen, die ihre drei täglichen Portionen festen organischen Materials nicht schlabbern, lutschen oder mümmeln wollen. Nicht so gut reagieren Zähne auf Wein, Kaffee und Zigaretten, weshalb Menschen, die viel trinken und rauchen, lieber schlechte Zähne haben.

Haare hören nie auf zu wachsen. Leider sind sie aber auch eines der wichtigsten optischen Erkennungsmerkmale sozialer Gruppen, und das heißt, dass Menschen sie regelmäßig in die gleiche Form schneiden müssen, damit sie vom Stammesverband ihrer Freunde und Verwandten wiedererkannt werden. Wenn die Haare ausfallen, werden sie durch eine Glatze ersetzt.

Ohren sind das Gegenstück zum Mund. Manche Menschen sagen, weil man zwei Ohren und nur einen Mund hat, solle man doppelt so viel zuhören wie reden. Häufig werden diese Menschen darauf hingewiesen, dass man auch einen Mund und zwei Beine hat, was wohl bedeutet, dass man den Mund halten und abhauen sollte.

 

 

Die menschenlichen Entwicklungsstufen sind vor allem durch Körpergröße und Nutzlichkeit gekennzeichnet:

 

Babys

Babys sind das anfängliche Larvenstadium des Menschen. Sie sind klein, albern und im Allgemeinen unprofessionell. Ihre Haupttätigkeiten sind Lärmen und Auslaufen, am liebsten aus sämtlichen Körperöffnungen und zu allen Zeiten, womit sie nur gelegentlich aufhören, um erstaunlicherweise einzuschlafen.

Im Gegensatz zum Nachwuchs anderer Tiere auf der Erde – der mit natürlichen Feinden fertig werden muss, weil er nicht in eine Umgebung aus warmen Decken, Omas und Kuscheleien hineingeboren wird – können Babys lange vollkommen nutzlos bleiben, und das tun sie auch. Tatsächlich hat für ein Baby etwa zwei Jahre lang die Frage höchste Priorität, wie viel vom eigenen Fuß es in den Mund stecken kann.

Weil Babys noch zu jung sind, um sie zum Fegen in Schornsteine zu schicken, besteht ihr einziger wirtschaftlicher Nutzen in einer gewissen Niedlichkeit, die zum Bewerben von Mineralwasser verwendet werden kann. Das gilt sogar für eher hässliche Babys, dann allerdings muss der Durst größer sein.

Babys sind im Grunde geschlechtslos, doch sie entwickeln sich entweder zu Jungen oder zu Mädchen.

 

Kleinkinder

Kleinkinder sind Babys, die gelernt haben, beim Krabbeln immer weniger die Arme zu benutzen, und zum Lohn eine viel größere Auswahl von Dingen in den Mund stecken können. Man erkennt sie vor allem an ihrer unpraktischen Größe, am wackligen, aber selbstbewussten Gang und an der unglaublichen Gier. Es ist gar nicht ungewöhnlich, dass ein Kleinkind gleichzeitig einen Igel aufzuheben versucht, an einem Handy kaut, in einen Fluss stürzt und einem Mädchen mit einem großen Gummihammer auf den Kopf haut, wobei es bei all dem auf seinem Dreirad weiterstrampelt.

Trotz dieser breit gestreuten Aktivitäten und hochfliegenden Absichten ist das einzig verlässliche Resultat meist, dass ihm auf spektakuläre Weise nichts davon gelingt und es sich trotzdem an irgendeiner Kante den Kopf stößt.

 

Kinder

Kinder sind hoch entwickelte kleine Menschen, die in der Lage sind, schnell zu laufen und Fragen zu stellen – zwei komplementäre Fähigkeiten, die ihnen gestatten, nichts zu verstehen, aber das umso schneller. Dieser Lernprozess beginnt offiziell in dem symbolischen Augenblick, wenn das Kleinkind zum ersten Mal das Loch in der Mitte der Kloschüssel trifft. Das klingt zwar trivial, doch ist dies genau der Moment, in dem die körperliche Entwicklung dem kleinen Menschen erlaubt zu zielen, während die geistige Reife es ihm ermöglicht sich dafür zu entscheiden.

Von diesem Tag an besteht die Kindheit vor allem daraus, in hohem Tempo herumzurennen, immer häufiger aus Bäumen zu fallen, unhöflich auf Menschen zu zeigen und Erwachsene mit der Frage «WARUM?» anzuschreien, wann immer sich irgendetwas komisch bewegt.

Kinder gibt es in zwei Typen, was sich leichter an der Art des Spielzeugs erkennen lässt, das man ihnen schenkt, als an ihrem tatsächlichen Aussehen oder ihrem Benehmen: Jungen (oft kürzere Haare, ungezogen) bekommen vor allem Spielzeug mit Rädern oder Waffen, Mädchen (oft längere Haare, ungezogen) vor allem Spielzeug, das weint und sich nass macht. Die beiden unterschiedlichen Kindertypen vertragen sich nicht immer miteinander, oft hält die eine Seite die andere für eklig.

 

Teenager

Etwa in dieser Altersstufe erkennen Kinder, dass Erwachsene absolut keine Ahnung haben, und lassen sich aus Protest Pickel im Gesicht wachsen. Nachdem sie die ganze Kindheit lang herauszufinden versucht haben, wie die Welt um sie herum funktioniert (Zahlen, Jahreszeiten, Magneten etc.), sind Teenager sich ihrer Umgebung sicher genug, um herausfinden zu wollen, was in ihrem Inneren vorgeht.



Ziemlich schnell stellen sie fest, dass dieses Thema – sie selbst– eine unendliche Faszination besitzt. Da sie jedoch zum ersten Mal zur Kenntnis nehmen, wer sie selbst eigentlich sind, kann das anfänglich zu einiger Verwirrung führen. Unglücklicherweise fällt diese Verwirrung genau mit der Zeit zusammen, in der jenes Selbst sich plötzlich und unwiderruflich verändert, wodurch sich die anfängliche leichte Verwirrung zu einem fettigen, turbulenten, ein Jahrzehnt andauernden Melodrama auswächst, inklusive unangenehmen körperlichen Veränderungen, peinlichem Quieken und antisozialem Haarwuchs.

Das entgegengesetzte Geschlecht wird vom Teenager immer weniger als eklig eingestuft, sondern auf unvermittelte, bizarre, seltsame, verwirrende, bedeutungsvolle und beängstigende Weise uneklig. Zunächst wissen die Menschen nicht, warum und wie sie die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts erringen wollen, doch zu den Mitteln und Wegen, das herauszufinden, gehören oft Haargel und Hörensagen.

 

Erwachsene

Erwachsene sind die größte Version des Menschen, weshalb von ihnen erwartet wird, dass sie alles erledigen, was keinen Spaß macht.

Das könnte für den unerfahrenen, gerade erwachsen gewordenen Menschen eine echte Herausforderung darstellen, doch zum Glück existiert eine Reihe von Institutionen, die ihm dabei helfen, keinen Spaßmehr zu haben, wie zum Beispiel Arbeitsplätze, Finanzämter oder Banken.

Damit Erwachsene trotz dieser schrecklich ungerechten Behandlung durch die Welt zufrieden bleiben, bekommen sie jedes Mal, wenn sie etwas tun, was keinen Spaß macht, eine Belohnung namens «Geld». Dieses Geld lässt sich gegen alles Mögliche eintauschen, was Spaß macht und kein Geld ist, wie zum Beispiel Bücher, Käse, Stühle, Urlaub oder Ziegelsteine, die häufig so angeordnet werden, dass sie all die anderen Dinge, die ein Mensch eingetauscht hat, vor dem Wind schützen. Neben den Sachen, die keinen Spaß machen und für die er Geld oder Dinge bekommt, hat der erwachsene Mensch noch eine zweite Aufgabe: Er soll einen anderen unekligen Erwachsenen finden, mit dem er all sein Geld und seine Dinge teilen kann.

Ein gutes Gegenüber zu finden, nimmt bald fast sämtliche verbleibende Zeit des Erwachsenen in Anspruch, so dass nur noch ein klein wenig Zeit übrig bleibt, in der er darüber nachdenkt, wie er irgendwann die ganzen Fragen der Kinder beantworten soll. Ungefähr an diesem Punkt wird den Erwachsenen klar, dass sie das nicht können.

Erfreulicherweise ist das den Kindern überhaupt nicht klar, weshalb die Erwachsenen ihnen weiterhin erzählen, dass nachts Feen mit Zauberkräften kommen werden, um den Kindern im Schlaf ihre alten Zähne abzukaufen, also geh jetzt bitte ins Bett!

Senioren

Alt zu werden ist nicht jedem Menschen vergönnt, weshalb die älteren Menschen, auch «Senioren» genannt, ihre beiden gesellschaftlichen Aufgaben hartnäckig verteidigen.

Die erste lautet «Weisheit», was so ähnlich ist wie Ratschläge, nur älter. Die zweite ist «Herumzockeln», eine entspannte und ziellose Gangart, die entweder so viel sagt wie: «Ich habe alles getan. Ich habe alles gesehen. Ich bin zufrieden», oder: «Meine Knie sind geschwollen. Meine Zähne sind weg. Ich habe mich verlaufen.»

Senioren haben die meiste Freizeit von allen Menschen auf der Erde, weil sie im Unterschied zu Erwachsenen schon alles besitzen, was man überhaupt besitzen kann, und daher nichts mehr tun müssen und weil sie im Unterschied zu Kindern nicht mehr gezwungen sind, zur Schule zu gehen.

Nachteil dieser Lage ist, dass sie oft allerneuste Entwicklungen nicht begreifen und mit aktueller Technologie nicht klarkommen. Der Vorteil ist natürlich, dass sie dadurch in einer wunderbaren Blase begeisterter Ahnungslosigkeit leben und überzeugt sind, diese neue Welt der blinkenden und piependen Computertelefone sei viel schlechter als die, in der sie aufgewachsen sind, als man noch mit einem geborgten Fahrrad zur Sonnenuhr auf dem Dorfplatz radeln musste, um nachzuschauen, ob man nicht zu spät zum Krieg kam.

 
 
 

Weiterlesen?

Neben der Hardware und der Entwicklung des Menschen gibt es natürlich noch viele andere hilfreiche Erklärungen zu Fragen wie: Warum werden Menschen im Laufe ihres Lebens immer runder? Wie hilfst du deinem Menschen am besten durch die drei Willenskrisen vor dem Aufstehen? Was ist der Zweck der Augenbrauen?

Die Antworten findest du in der aufschlussreichen Gebrauchsanleitung von Paul Hawkins.

 

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"Tiefschürfend, smart und wahnsinnig lustig! Diese Betriebsanleitung für die Menschheit macht Riesenspaß von Anfang bis Ende."

- Adam Fletcher, Autor von Wie man Deutscher wird

A guide by Paul Hawkins